Die Stadt Offenburg besitzt mit dem Kultur- und Erinnerungszentrum „Salmen" ein „Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung". Am 12. September 1847 verabschiedete im ehemaligen Gasthaus „Salmen" eine Volksversammlung die „Forderungen des Volkes", die in 13 Artikeln den ersten demokratischen Verfassungsentwurf in Deutschland darstellen. Seit 1875 diente der „Salmen" als Synagoge der Offenburger jüdischen Gemeinde. Am Morgen des 10. Novembers 1938 wurde der Innenraum von Nationalsozialisten verwüstet.
Das ehemalige Gasthaus „Salmen" symbolisiert daher die Bipolarität der deutschen Geschichte zwischen demokratischem Aufbruch im 19. Jahrhundert und Niedergang von Demokratie und Humanität in der Zeit des Nationalsozialismus. Es steht für das Gedenken an die Opfer, aber ebenso für die Erinnerung an eine demokratische Tradition, die als Auftrag für die Gestaltung der Zukunft verstanden werden muss. Die Forderungen von 1847 fanden Eingang in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und sind auch in der derzeit diskutierten europäischen Verfassung zu finden.
Damit ist der „Salmen" nicht nur ein Offenburger Symbol oder auch Denkmal, sondern ein Zeichen für geschichtliche Prozesse, die eine nationale und auch europäische Bedeutung haben. Nur wenn die Forderungen von 1847 gelebte Realität sind, kann ein freiheitlich-demokratisches Europa des Miteinanders gelingen.
Um der Bedeutung des Gebäudes „Salmen" gerecht zu werden und um die Offenburger Geschichte als Auftrag ernst zu nehmen, wird die Stadt jährlich im Herbst „Salmengespräche" durchführen. Dabei sollen in einer öffentlichen Veranstaltung mit Historikern, Politikern und Soziologen aktuelle politische, soziale und kulturelle Fragestellungen und Probleme vor dem Hintergrund der Forderungen von 1847 diskutiert werden.
Ziel dieser Gespräche ist es, die aktuellen Fragen der Demokratieentwicklung und der inneren europäischen Einigung vor dem Hintergrund der Forderungen von 1847 durch öffentliche Vorträge und Diskusssionen aufzugreifen.
